Interview mit Kronfeld Engineering

Die Firma Kronfeld Engineering betreibt die Forschung und Entwicklung von Hardwarekomponenten für die Zweiradindustrie. Später sollen die Geschäftstätigkeiten auf die Luftfahrtindustrie, Fertigungsindustrie und Sportindustrie ausgeweitet werden. Sie haben einen Prototypen eines Lastengepäckträgers entwickelt, der 55kg tragen kann, während ein normaler Gepäckträger nur 25kg aushält.

Hallo Karl, wir sind auf deine Idee aufmerksam geworden und würden gerne mehr darüber erfahren. Kannst du für alle Leser*innen einmal beschreiben, was es mit der „Kronfeld Tragfläche“ auf sich hat und welches Problem du damit lösen willst.

 

Karl Kronfeld: Die Kronfeld Tragfläche® hat das Ziel, ein Auto zu ersetzen. Wir haben den Prototypen zum Patent angemeldet. Er wird gerade DIN-geprüft. Wir haben 10 Einzelstücke in Handarbeit geschweißt und veredelt.  Eine Tragfläche kann 40 kg tragen und bietet Platz für 4 Tragetaschen mit insgesamt 140 L Volumen – doppelt so viel wie ein normaler Gepäckträger.

 

Hintergrund des Gründers:
Karl ist 39 Jahre alt, Ingenieur, begeisterter Kitesurfer und ehemaliger technischer Offizier der Luftwaffe. In seiner Freizeit setzt er sich ehrenamtlich für Jugendprojekte ein. Nach der Armee hat er bei “Physik für Flüchtlinge” und anschließend in Forschungs- und Entwicklungsprojekten gearbeitet und mit Unternehmen zusammen innovative Produkte entwickelt.

Firmengeschichte:
Seit zwei Jahren bastelt Karl mit seinem Team und seinen Werkstudent*innen von der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) zusammen an der Kronfeld Tragfläche. Karl ist während der ersten BPW Schreibwerkstatt (Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg) Pauline Neuholz begegnet. Seit März 2023 arbeiten beide zusammen daran, aus dem Produkt ein Business zu machen.

 

Kronfeld Engineering kurz gefasst!

Geschichte hinter Kronfeld Tragfläche®:

Karl Kronfeld: Unser Kunde ist ein moderner Familienvater, Fahrradbesitzer und Kitesurfer, der mehr mit seinem Fahrrad transportieren will als mit seinem Auto. Er ist sich bewusst, dass sein Fahrrad gut für die Umwelt ist und seinen Geldbeutel schont. Ihm wird bange bei den heutigen Benzinpreisen. Angesichts der Strompreise überlegt er sich den Umstieg auf ein Elektroauto jedoch zweimal. Außerdem hat er gelesen, dass ein Elektroauto in der Herstellung eine schlechte CO2-Bilanz hat.

Unser Kunde ist aber auch ein Gewohnheitsmensch. Er möchte die gleiche Bequemlichkeit, Flexibilität und die Funktionen eines Autos, notfalls ergänzt durch den ÖPNV. Er bringt immer seinen kleinen Sohn in die Kita. Er montiert also einen Kindersitz auf dem Gepäckträger seines Rades.

Für den Wocheneinkauf braucht er Fahrradtaschen auf beiden Seiten des Hinterrades. Obendrauf kommt der Milchkarton und der restliche Einkauf – aber dazu muss er den Kindersitz wieder abmontieren. Dann steht noch ein Familienausflug an. Er organisiert einen Fahrradanhänger. Der passt nicht in den ÖPNV. Er findet keinen Parkplatz beim Fahren in der Stadt. Manövrieren ist schwieriger in der Stadt und auf holprigen Wegen.

 

Geburt Kronfeld Tragfläche®:

Karl Kronfeld: Früher hat er seine Tochter und ihr Cello mit dem Auto zum Musikunterricht gefahren. Wie soll er das globige Instrument jetzt transportieren? Auf dem Rücken? Am Wochenende ist der Wind gut und er will auf dem See kitesurfen. Aber wie transportiert er 15 kg leichtes, dennoch großvolumiges und sperriges Gepäck? Selbst mit Gepäcktaschen kann er nicht alles verstauen.

Es sei denn natürlich, man könnte seinen Gepäckträger 20 cm verlängern, wenn man es braucht. Dann könnte man die Pakete mit Spanngurten befestigen. 

Mit einem nach Belieben ausziehbaren Gepäckträger hat man genug Platz für den Kindersitz und zwei Gepäcktaschen mit insgesamt 70 L Volumen. 

Man kann auch Zelt, Isomatte und Verpflegung für den Campingausflug bequem verstauen. So ist man auf jedem Gelände flexibel unterwegs und hat keine Probleme, das Fahrrad im Zug mitzunehmen.

Die Tragfläche bietet Platz für Milchkartons, Wasserflaschen und den restlichen Einkauf. Das Cello der Tochter passt längs auf den Gepäckträger, und die Kitesurfing-Ausrüstung findet ebenfalls Platz.

 

Patentierung und Gründung:

Karl Kronfeld:  Der erste Patentantrag hat mehrere kostenlose Beratungen beim DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) und viele Korrekturen meinerseits in Anspruch genommen. Bis es soweit war, ist ungefähr ein halbes Jahr vergangen. Am gleichen Tag, an dem ich den Antrag online eingereicht habe, habe ich auf Kronfeld Engineering als eine Einzelunternehmung gegründet, d.h. als Personengesellschaft mit mir als einzigem Inhaber. 

Nur weil man einen Antrag stellt, hat man noch kein Patent. Die Expert*innen beim DPMA prüfen die Neuartigkeit des Produktes und redigieren den Antrag. Es kann ein oder zwei Jahre dauern, bis das Patent wirklich erteilt wird. 

Allerdings habe ich das Recht des ersten Anmelders – wenn nach dem Datum meiner Anmeldung jemand einen “belastbaren, ausziehbaren Gepäckträger” anmelden will, wird sein Antrag als nicht neuartig abgelehnt. 

Bislang ist das Patent nur für Deutschland gültig, aber das deutsche Patentrecht hat auch Auswirkungen auf andere europäische Länder. Denkbar wäre später ein EU-Patent, ein Patent für die USA, China oder Lateinamerika. Indien mit seiner Bevölkerungsdichte käme ebenfalls in Frage.

 

Stand der Entwicklung:

Karl Kronfeld: Wir haben einen einwandfrei funktionierenden Prototypen und eine Kleinserie von 10 Einzelstücken. 

Wir haben das Patent 2023 beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet. Ich wäre Patentinhaber. 

Für uns ist das Patent essentiell, weil unser Geschäftsmodell auf Lizenzvergabe beruht. Wir entwickeln Innovationen und lassen andere dafür bezahlen, sie nutzen zu dürfen. 

 

Verbesserungen des Prototypen:

Karl Kronfeld: Die Produktentwicklung ist nie abgeschlossen. Wir können die Wandstärke des Materials verändern. Wir können Schweißprozesse optimieren. Wir können auf standardisierte Bauteile zurückgreifen, um Arbeitsschritte zu verkürzen.

Zuletzt wird mir wahrscheinlich durch das Feedback von vielen Alpha Tester*innen noch weitere Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt.

 

Die Finanzierung einer solchen Idee bzw. die Markteinführung ist sicherlich immer mit großem Aufwand verbunden. Wir haben gesehen du hast da schon einen genaueren Plan. Kannst du uns darüber mehr erzählen?

Karl KronfeldIch habe bereits in den letzten zwei Jahren 30.000€ an Eigenkapital in die Produktentwicklung investiert. Das führte zu einem Prototyp, der Patentanmeldung, der Gründung, dem Pitch Deck, der Website und zwei Teammitgliedern.
Zuerst müssen wir potenziellen Lizenznehmer*innen zeigen, dass ein Interesse an der Tragfläche besteht. Dazu müssen wir etwa 1000 Stück als Kleinserie extern produzieren lassen. Dafür brauchen wir 258.000€ Startkapital.
Wir sprechen gerade mit der Bürgschaftsbank Berlin über eine Bürgschaft von 258.000€. Mit unserer Hausbank reden wir über einen Kredit über 258.000€, von dem wir idealerweise 50% als Zuschuss über eine ILB Förderung zurückbekommen.
Mit diesem Startkapital machen wir im ersten Jahr 300.000€ Umsatz, 2 Mio € im zweiten Jahr, 3.8 Mio € im dritten Jahr und 6.1 Mio € im vierten Jahr. Wir verzwanzigfachen also unseren Umsatz in 4 Jahren.
Es ist immer nützlich, einen Finanzplan mit einem Expert*innen zu schreiben, um sich als Nicht-BWLer nicht von solchen Zahlen abschrecken zu lassen. Eine Viertelmillion ist noch gar nichts.

 

Was sind die nächsten Schritte für dich und deiner Erfindung? 

Karl Kronfeld: Für uns lauten die nächsten Meilensteine:

1. Website launchen

2. Crowdfunding Kampagne starten

3. 258.000€ Kredit bekommen

4. Firma als GmbH registrieren 

5. 4 leitende Angestellte in Teilzeit oder als Werkstudent*innen haben

6. Lizenzverträge mit 8 Produzenten und 3 Vertriebsfirmen unterzeichnen

7. bis Mitte 2024 meinen Lebensunterhalt aus den Umsätzen bestreiten und Vollzeit arbeiten

Bisher arbeite ich mit Pauline Neuholz und Andrés Rodriguez als Freelancer*innen zusammen. Doch auch einige Coaches und viele Student*innen unterstützen mich auf dem Weg.

 

Immer mehr Leute entscheiden sich dazu, auch bei den Verkehrsmitteln möglichst klimaneutral zu handeln. Da kommt deine Idee genau richtig, wodurch du sicherlich einen großen Kreis an potenziellen Kunden erwarten kannst. Was macht dein Produkt allerdings besser im Vergleich zu bereits bestehenden Systemen, wie einem Gepäckträger oder Lastenräder? Ist dein System für jedes Fahrrad geeignet?

Karl Kronfeld: Die Tragfläche ist stufenlos nach hinten verstellbar. Man braucht keine zusätzliche Halterung zu kaufen und zu montieren. Sie passt auf jedes Fahrrad. Die Umrüstung dauert nur 5 Minuten.

Die Tragfläche wiegt nur 2 kg, also 1 kg mehr als ein gewöhnlicher Gepäckträger

Die Tragfläche kommt in Kombination mit einem Gepäcktaschen-System aus einem nachhaltig gefertigten Material – alles aus einer Produktion.

Die Tragfläche bietet Platz für 4 Gepäcktaschen. Jede umfasst 35 L. Insgesamt kann man also 140 L Volumen transportieren.

Die Tragfläche hält ein Gewicht von bis zu 40 kg aus (zugelassen, getestet auf 100 kg) – ein gewöhnlicher Gepäckträger nur 25 kg.

Man kann auf der Tragfläche auch einen Kindersitz und zwei Gepäcktaschen anbringen – z.B. ein 20 kg schweres Kind und dahinter rechts und links eine Gepäcktasche mit je 10 kg an Lebensmitteln. 

Dank der Erweiterung kann man Sportgepäck wie Surfboards, Kiteboards oder Musikinstrumente transportieren. Auch sperrige Möbel sind denkbar.

Die Tragfläche besteht aus rostfreiem Edelstahl, ist extrem stabil und steif. Man kann mehr transportieren mit dem eigenen Fahrrad. 

Die Umrüstung ist denkbar einfach. Anders als ein Lastenrad oder einen Anhänger kann man ein Fahrrad mit Tragfläche im ÖPNV mitnehmen.

 

Damit stellt die Tragfläche eine Alternative dar zum:

  • Auto
  • Transporter
  • Fahrradgepäckträger mit Gepäcktaschen oder Korb
  • Lastenrad
  • Fahrradanhänger
  • Transportrad für Lieferdienste

»Die Kronfeld Tragfläche hat das Ziel ein Auto zu ersetzen. Sie ist stufenlos nach hinten verstellbar. Man braucht keine zusätzliche Halterung zu kaufen und zu montieren. Sie passt auf jedes Fahrrad. Die Umrüstung dauert nur 5 Minuten.«

Karl Kronfeld

 

Wie beabsichtigst du, den Lastengepäckträger für verschiedene Zielgruppen anzupassen und deren Bedürfnisse zu erfüllen?

Karl Kronfeld: Die Tragfläche selbst ist erst einmal nur ein Rahmen. Die Fahrradfahrer können ihn ganz nach belieben gestalten. Wenn sie mehr Platz brauchen, ziehen sie ihn aus. Wenn sie wenig Platz haben, z.B. in der Bahn, ziehen sie die Erweiterung mit 4 Schnellspannern wieder ein. 

Die meisten haben bereits Fahrradzubehör wie Gepäcktaschen und Spanngurte, aber ihr gewöhnlicher Gepäckträger ist nicht mit ihren steigenden Anforderungen gewachsen. Unserer kann in die Länge, Breite und Höhe wachsen. 

Durch sein ursprüngliches Design bietet er vielen Menschen einen Nutzen, wie zum Beispiel

● Fahrradbesitzer*innen in Berlin, die Ausflüge ins Umland machen 

● Brandenburger*innen, die in Berlin einkaufen

● Arbeitende Familienväter und -mütter, die auf dem Weg von der Arbeit einkaufen

● Fahrrad-im-Zug-Pendler*innen, die ihr Gepäck in der Packtasche verstauen 

● Bike Packer*innen

● Kitesurfer*innen

● Skateboarder*innen, Inline Skater*innen

● Musiker*innen

● Leute, die sich kein Auto leisten können

● Leute ohne Führerschein, die schwere Dinge transportieren

● Leute, die Onlineversand nicht mögen

● Familien mit Kindern, die günstig Urlaub machen wollen 

 

 

Wenn wir einen Blick in die Glaskugel werfen und deine Idee in 5 Jahren sehen könnten. Wie würdest du dir das vorstellen und wünschen?

Karl Kronfeld:

  1. In fünf Jahren ist bereits mein drittes Produkt am Markt und ich habe ein starkes Team, das bereits an weiteren Innovationen arbeitet.
  2. Die Tragfläche ist durch Optimierung der Produktion und Lieferketten so erschwinglich geworden, dass kein anderer Interesse hat, sie nachzubauen….
  3. Das Unternehmen ist in der Lage, 10 Mitarbeiter*innen Vollzeit zu beschäftigen, und wir vertreiben und lizenzieren unsere Produkte weltweit.
  4.  Ich wohne immernoch in meinem Garten am Wasser und habe eine Frau gefunden die ebenfalls sehr naturverbunden lebt.

Interview geführt im Juni 2023 mit Karl Kronfeld

Bild- und Videomaterial: Kronfeld Engineering

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