Interview mit SCYTech

Das Team vom SCYtech arbeitet an einem innovativen Akkuschrauber in Handschuhform. Stellvertretend fürs Team stellte BTU Cottbus-Senftenberg-Alumnus Yannic Adler diese Idee beim Startup Revier EAST – Pitch Slam am 28. April 2021 vor und wurde von den Teilnehmer*inenn zum Gewinner des Abends gekürt. Wir haben uns mit Yannic und seinem Kollegen Serghei Baltag zum Vorhaben ausgetauscht.

Hallo Yannic und Serghei, wie seid ihr auf die Idee des Akkuschraubers in Handschuhform gekommen?

Yannic Adler: Die Idee für die Erfindung kam mir während meines Praktikums in einer Metallgießerei. Dort musste ich ein Paletten-Regal zusammenbauen, welches sechs Meter breit und vier Meter hoch war. Die einzelnen Böden wurden zuerst eingehängt und mussten danach mit Schrauben und Muttern gesichert werden. Während die Mutter mit einem Maulschlüssel gehalten werden musste, musste ich mit der anderen Hand die Schraube reindrehen. Dafür standen nur ein sehr großer und schwerer Akkuschrauber oder ein Schraubenzieher zur Verfügung. Beim Arbeiten stellten sich einige Punkte als besonders problematisch heraus:

  • Das Arbeiten in großer Höhe, ohne sich festhalten zu können
  • Der ständige Werkzeugwechsel zwischen dem Einsetzen und dem Einschrauben
  • Das Gewicht des Akkuschraubers, der teilweise über Kopf und weit weg vom Körper eingesetzt wurde
  • Die Heranführung des Akkuschraubers zur Schraube, vor allem wenn kein Sichtkontakt zur Schraube besteht

Um diese Probleme zu lösen habe ich mir eine besondere Form für einen Akkuschrauber ausgedacht, bei dem die Drehbewegung direkt zur Fingerspitze übertragen wird. Um die Realisierbarkeit zu überprüfen, habe ich handelsübliche Akkuschrauber zerlegt und hinsichtlich der Größe der einzelnen Komponenten untersucht.

Konntet ihr Kompetenzen aus eurem Studium an der BTU für die Gründung nutzen?

Yannic Adler: Während meines Studiums entwickelte und baute ich 3D-Drucker und nutzte diese in vielen Projekten zum Prototypenbau. Hier hat mir mein Maschinenbau-Studium mit Fächern wie Strukturmechanik, Konstruktionslehre, Fertigungstechnik, Fügetechnik und Automatisierungstechnik wichtige Grundlagen geliefert.

Mithilfe fundierter Kenntnisse im Bereich der technischen Mechanik, der Konstruktionslehre und der Elektrotechnik, konnte ich die Idee noch weiterentwickeln.

Nach der Fertigung eines ersten Funktionsprototyps, entschied ich mich, mich bezüglich einer Patentanmeldung zu informieren. Dafür belegte ich an der BTU das Fach Patentrecht. Nachdem eine eigenständige Recherche auf diesem Gebiet keine Informationen zu ähnlichen Erfindungen ergab, entschied ich mich dazu, selbstständig ein Patent anzumelden, welches mir 2016 für Deutschland erteilt wurde.

Serghei Baltag: Ich studierte an der BTU. Im Rahmen meiner Masterarbeit sammelte ich Erfahrungen in den interdisziplinären Forschungsgebieten des Qualitätsmanagements, der Gründungsforschung, der qualitätsgerechten Gestaltung von Unternehmensgründung & QM-Methoden und deren Übertragung auf den Gründungsprozess. Ich absolvierte mein Studium mit der Vertiefung Planung, Kontrolle und Steuerung von Unternehmen. Ich erweitere das Gründungsteam mit meinen wirtschaftlichen Kompetenzen, vor allem in Technologie- und Innovationsmanagement, Marketing und Unternehmensfinanzierung sowie bei der Wettbewerbs- und Marktanalyse.

Wie hat euch die BTU bei der Gründung geholfen?

Serghei Baltag: Durch den Gründungsservice der BTU wurde mit der Innovationsberatung der TOM SPIKE GmbH ein viertägiges Coaching absolviert, in dem die Erstellung von Businessplänen, Finanzierungen, allgemeinen Rechts- und Steuerfragen sowie Präsentationstechniken (Pitch) und Strategien für die erfolgreiche Gründung nähergebracht wurden.

Yannic Adler: Dazu konnten wir durch viele Veranstaltungen wie die erste Pitch-Messe, den innofab_ Ideenwettbewerb, den Startup Revier EAST – Pitch Slam und die monatlichen Gründerstammtische viel Erfahrung beim Pitchen sammeln und uns gut vernetzen. Zusätzlich bekamen wir Unterstützung bei der Beantragung und Durchführung des EXIST-Gründerstipendiums.

Wie war eure Erfahrung beim ersten Startup Revier EAST – Pitch Slam? Was konntet ihr mitnehmen?

Yannic Adler: Wir haben sehr interessante Ideen von anderen Startups kennengelernt und haben wichtige Kontakte knüpfen können.

Würdet ihr den Startup Revier EAST – Pitch Slam an andere Gründer*innen weiterempfehlen?

Yannic Adler: Ja, auf jeden Fall. Man braucht Mut, um seine Idee vor anderen vorzustellen und ein entspannter Wettbewerb ist dafür optimal.

Ist Cottbus bzw. die Region ein guter Standort für Gründungen?

Serghei Baltag: Cottbus hat für Startups gleich drei große Vorteile:

  • günstige Mietpreise (privat und gewerblich)
  • Förderprogramme des Landes Brandenburg mit Augenmerk auf die Lausitz
  • Die BTU Cottbus-Senftenberg für Knowhow und kompetentes Fachpersonal

Wie kann man euch unterstützen?

Yannic Adler: Wir sind immer auf der Suche nach Pilotkunden bzw. Anwendern, die uns mit ihrem Feedback bei der Entwicklung und Konstruktion weiterhelfen können.

Serghei Baltag: Auch bieten wir Investoren eine Chance, ein innovatives Unternehmen zu unterstützen und das investierte Kapital profitabel anzulegen.

SCYtech kurz gefasst

Interview geführt im Mai 2021

Bildmaterial: SCYtech

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