Interview mit KYKEON Biotech

KYKEON Biotech verwendet eine "Mixtur" aus Zellextrakten und Zusatzstoffen, mit der sich gezielt rekombinante Proteine für den biotechnologischen Markt herstellen lassen.

Welche Idee steht hinter dem Namen KYKEON Biotech und was bedeutet er?

Martin Kern: Das Wort „Kykeon“ entstammt der griechischen Antike und bedeutet soviel wie „Mixtur“. Bei KYKEON Biotech verwenden wir dementsprechend eine Mixtur aus Zellextrakten und Zusatzstoffen, mit der sich gezielt rekombinante Proteine für den biotechnologischen Markt herstellen lassen. Über Jahrzehnte hinweg haben sich in diesem Markt ressourcenintensive Herstellungsprozesse etabliert, die mit genetisch modifizierten Organismen und tierischen Produkten arbeiten. Durch den Einsatz unserer zellfreien Synthesetechnologie lässt sich auf diese Materialien verzichten und es entsteht ein besser steuerbarer Prozess, der eine ökologisch nachhaltigere Ausrichtung hat.

Gibt es eine unternehmerische Vision, die ihr verfolgt?

Martin Kern: Wir sind überzeugt, dass wir mit unserem unternehmerischen Handeln langfristig einen gesellschaftlichen Mehrwert erzeugen können. Durch unsere Innovationen im Bereich der zellfreien Proteinsynthese wollen wir mit KYKEON Biotech die Produktion von rekombinanten Proteinen nachhaltiger und effizienter machen, sodass wichtige diagnostische Tests (z. B. auch Corona-Tests) ökonomischer und ökologischer werden. Damit könnte den Menschen weltweit der Zugang zu notwendigen Medizin- und Diagnostikprodukten erleichtert werden.

Kürzlich habt ihr die Zusage zum EXIST-Gründerstipendium bekommen. Was hat sich seitdem bei euch verändert und wie verlief die Antragstellung des EXIST-Gründerstipendiums?

Martin Kern: Die Antragsstellung verlief insgesamt ziemlich reibungslos bei uns. Anfänglich gab es noch ein paar kleinere Hürden bei den Formalitäten der Antragsstellung, die jedoch in Zusammenarbeit mit dem Startup Center der TH Wildau schnell überwunden werden konnten. Weiterhin taten wir uns beim Schreiben des Antrages zunächst auch etwas schwer damit, unsere vielfältigen Ideen zu einem schlüssigen Konzept zu entwickeln, sodass der rote Faden erkennbar wird. Um hier eine saubere Struktur zu erarbeiten und hilfreiches Feedback zu bekommen, haben wir uns daher schon frühzeitig einen Unternehmensberater hinzugeholt, der uns bei der Ausarbeitung unseres EXIST-Antrags bis zum Ende begleitet hat. Durch seine Expertise im Biotechnologie-Sektor konnte er uns außerdem mit interessanten Kontaktpersonen aus der Branche bzw. unserem Forschungsfeld vernetzen. Bereits vier Wochen nach der Einreichung beim Projektträger kam schon eine positive Rückmeldung, sodass wir frühzeitig unser weiteres Vorgehen planen konnten. Wir sind im gesamten Team sehr dankbar für die Unterstützung und den damit einhergehenden Vertrauensvorschuss und stehen voller Tatendrang für das Jahr 2021!

Habt ihr spezielle Tipps für Weggefährt*innen, die ebenfalls einen EXIST-Antrag stellen?

Martin Kern: An erster Stelle sollte man sich bewusstmachen, dass die Vorbereitung des Antrags in jedem Fall sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Das Ganze ist ein „Fulltime-Job“. Man kann zwar im Team entlang der vorherrschenden Kompetenzen die verschiedenen Themen aufteilen, aber am Ende muss dann trotzdem wieder der rote Faden durchgängig erkennbar sein. Weiterhin sollte auch die Innovationskraft der Gründungsidee von Anfang an im Antrag deutlich werden. Für uns war die schriftliche Darstellung unserer Innovation sehr herausfordernd, denn der hierbei beschriebene Laborprozess ist hochkomplex und für Personen ohne Biotech-Expertise kaum nachvollziehbar. Man muss in einem solchen Fall also eine gute Gratwanderung hinbekommen, wobei man die Beschreibung der Innovation in einen allgemeineren Sprachkontext überführt, ohne dabei das Potential der eigenen Idee abzuschwächen. Gerade bei diesen essentiellen Formulierungen kann das Feedback von Beratern und dem Startup Center sehr hilfreich sein und sollte daher aktiv durch die Antragssteller*in genutzt werden.

Wie genau sehen die nächsten Schritte und Meilensteine aus, die ihr aktuell erreichen möchtet?

Martin Kern: Für uns ist die Entwicklung unseres neuartigen Syntheseprozesses zur zellfreien Proteinherstellung im Labor der wichtigste Meilenstein in der gesamten Planung. Dieser Prozess stellt letztlich auch die Innovation hinter KYKEON Biotech dar. Zudem sichert uns diese Innovation bei erfolgreicher Etablierung durch die Laborprozesse einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Um diesen Vorteil am Markt vollumfänglich nutzen zu können ist eine Patentanmeldung essentiell. Diese soll noch während der EXIST-Phase durchgeführt werden und stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein für uns dar. Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene ist für uns die Sicherung der Anschlussfinanzierung ein zentrales Thema. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass in unserem stark wissenschaftlich geprägten Gründungsansatz viel Kapital notwendig sein wird, um unsere Idee in die finale Marktreife zu überführen. Aus diesem Grund wollen wir uns frühzeitig um die Sicherung unserer Finanzierung nach dem EXIST-Förderzeitraum bemühen und bereiten schon jetzt Unterlagen für die Ansprache von Investoren vor.

KYKEON Biotech kurz gefasst!

»Insgesamt ist für uns die Region Brandenburg ein interessanter Gründungsstandort, da viele der Klein- und Mittelstandsunternehmen, die wir für unseren Markteintritt als Kunden ins Auge gefasst haben, in direkter Umgebung der Hochschule ansässig sind.«

Martin Kern

Wie soll es nach dem EXIST-Jahr weitergehen?

Martin Kern: Wir erhoffen uns eine Anschlussfinanzierung zum Ende der EXIST-Phase sichern zu können und die notwendigen Laborprozesse während der Förderphase vollständig zu entwickeln. Im besten Fall bekommen wir diese wichtigen Meilensteine und die Patentanmeldung planmäßig umgesetzt, sodass wir zum Ende des Jahres 2021 die tatsächliche Unternehmensgründung durchführen können. Daran anschließend wollen wir im Jahr 2022 erste Produkte an unsere Pilotkunden ausliefern. Hierfür stehen wir bereits im Austausch mit potentiellen Kunden, die erfreulicherweise schon ihr Interesse bekundet haben.

 

Würdet ihr das Förderprogramm anderen Gründer*innen weiterempfehlen?

Martin Kern: Auf jeden Fall. Es ist eine wirklich tolle Maßnahme, um einer Gründungsidee den notwendigen Antrieb zu geben. Die im Antrag abgehandelten Themen sind eine erste Bewährungsprobe für das eigene Vorhaben und orientieren sich grundlegend an der Struktur eines Businessplans. Somit bereitet man hier schon viele Dinge vor, welche dann später im ausführlichen Businessplan oder auch in einem Pitchdeck zur Investorenansprache wieder benötigt werden. Im Rahmen der EXIST-Förderung wird den Gründern eine vielfältige Unterstützung durch die Hochschule bzw. Universität zugesichert. Im Falle einer erfolgreichen Antragsstellung wird dann auch die nötige Infrastruktur bereitstellt, um direkt durchstarten zu können. Um die Erfolgsaussichten bei der Antragsstellung zu erhöhen, würden wir insgesamt empfehlen, sich professionelle Unterstützung für die Umsetzung des EXIST-Antrages zu holen. Hierfür gibt es wiederum die Möglichkeit zusätzliche Fördermittel anzufordern. Für Gründer aus der Region Brandenburg ist das Programm „Innovationen brauchen Mut“ sehr empfehlenswert. Zudem stehen auch die Gründungsberatungen an den Hochschulen und Universitäten wie bspw. das Startup Center der TH Wildau mit ihrem umfangreichen Beratungsangebot zur Verfügung.

 

Benötigt ihr aktuell Unterstützung und was müsste ein*e mögliche*r Kooperationspartner*in mitbringen, um gegenseitig voneinander zu profitieren?

Martin Kern: Auf unserem bisherigen Weg konnten wir bereits tolle Unterstützer gewinnen und praktische Kontakte knüpfen. Aktuell stehen wir im Austausch mit zwei Mentoren. Diese beraten uns vor allem zu betriebswirtschaftlichen Themen und helfen uns mit ihrem durchaus kritischen Blick dabei, bewusst die eigenen Denkmuster aufzubrechen und die Kundenperspektive noch besser zu verstehen. Da wir im Gründerteam einen eher akademisch geprägten Background haben, ist diese Beratung sehr wichtig für uns. Aus diesem Grund möchten wir hier zukünftig unser Netzwerk noch weiter in den industriellen Sektor hinein ausbauen und sind fortlaufend auf der Suche nach interessanten Kontakten aus der Wirtschaft. Hilfreich wären für uns hier Kontakte zu Gründer*innen und Unternehmer*innen, welche im Bereich der In-Vitro-Diagnostik Produkte und Services anbieten. Inwieweit dabei auch unternehmerische Synergien und Kooperationen möglich wären, können wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.

 

Was zeichnet, eurer Meinung nach, die Region und/oder die Technische Hochschule Wildau als Gründungsspot aus?

Martin Kern: An der Hochschule gefällt uns insbesondere, dass die technische Infrastruktur sehr durchdacht ist und insgesamt gut funktioniert. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit einen durch die Hochschule aufgesetzten Cloudspeicher zu nutzen. Die Einarbeitung im Umgang mit diesem Dienst nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch aber dafür erfüllt dieser im Vergleich zu den gängigen amerikanischen Cloudanbietern alle Datenschutzanforderungen. Auch die Ausstattung der durch uns genutzten Labore der Abteilung für molekulare Biotechnologie und funktionelle Genomik ist auf einem sehr hohen Niveau, sodass wir hier unseren gesamten Produktionsprozess unter der Nutzung von modernster Technologie aufsetzen können. Insgesamt ist für uns die Region Brandenburg ein interessanter Gründungsstandort. Das liegt in unserem Fall vor allem darin begründet, dass viele der Klein- und Mittelstandsunternehmen, welche wir für unseren Markteintritt als Kund*innen ins Auge gefasst haben, in direkter Umgebung der Hochschule ansässig sind.

 

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Wo steht ihr mit KYKEON Biotech in fünf Jahren?

Martin Kern: Im besten Fall haben wir es in den nächsten Jahren geschafft einige Bestandskunden zu gewinnen und das Unternehmen mit seinen Produkten am Markt zu etablieren. Zudem arbeiten darauf hin, dass wir nach ca. drei Jahren unseren kalkulierten „Break-Even“ erreichen. Dieses Ziel ist uns im Team besonders wichtig, denn wir wollen langfristig unabhängig von Risiko- und Fremdkapital werden. Wenn diese wichtigen Meilensteine abgeschlossen sind, möchten wir unser Leistungsangebot sukzessive ausweiten. In der Zukunft wollen wir insbesondere die zellfreie Produktion von rekombinanten Antikörpern in Angriff nehmen, da diese ein sehr großes Umsatzpotential vorweisen. Antikörper werden bspw. in diagnostischen Tests oder Pharmaprodukten eingesetzt. Bis dahin ist es für KYKEON Biotech aber noch ein langer Weg. Es bleibt also auf jeden Fall spannend!

Interview geführt im März 2021

Bildmaterial: Agentur FaitSchlichter

Interview mit KYKEON Biotech

Das Wort „Kykeon“ entstammt der griechischen Antike und bedeutet soviel wie „Mixtur“. Dementsprechend verwendet KYKEON Biotech eine Mixtur zur zellfreien Synthese …