Interview mit Green City Solutions

Green City Solutions nutzt die Superkräfte von natürlichem Moos und kombiniert sie mit Sensoren, intelligenter Belüftung, Bewässerung und Software, um so verschmutzte und heiße Stadtluft zur reinigen und zu kühlen.

Hallo Peter, was verbirgt sich hinter dem Startup mit dem Namen Green City Solutions? Wie kam es zur Idee?

Peter Sänger: Städte sind der Lebensraum der Zukunft und haben sehr viele Vorteile. Frische, gesunde Luft zählt jedoch vielerorts nicht dazu. Mein Co-Gründer Liang hat diese Erfahrung auch hautnah in seiner Heimat Shanghai gemacht. Man muss sich das klar machen: Luftverschmutzung gehört weltweit zu den größten Umweltproblemen und ist für jeden 7. Todesfall verantwortlich. Und auch der menschengemachte Klimawandel macht sich schon jetzt besonders in Städten bemerkbar, die sich immer stärker aufheizen.  Als Liang und ich uns an der Universität kennenlernten, entstand der gemeinsame Wunsch, eine ökologische und ökonomische Lösung für das Problem zu entwickeln. Mit einem jungen Team von Experten aus den Bereichen Gartenbau, Informatik, Architektur und Maschinenbau gingen wir so 2014 als Green City Solutions an den Start.

Wir verbessern mit unseren Lösungen nachhaltig und natürlich die Luftqualität. Ziehen also Partikel und Gase, die für Mensch und Klima schädlich sind, aus der Luft. Damit wollen wir Städte künftig noch lebenswerter machen.

 

Welche Produkte bietet ihr an und wie unterscheiden sich die Einsatzorte?

Peter Sänger: Unser Kernprodukt ist ein Moosfilter. Er basiert auf der Idee, Natur mit digitaler Technologie zu kombinieren, um so die Luftqualität zu verbessern. Man mag sich jetzt fragen, warum ausgerechnet Moos. Dabei steckt in der kleinen Pflanze Moos so viel mehr, als man denkt! Moose binden Feinstaub, manche sind antiseptisch, antiviral und fungizid; echte Allrounder für Luftreinhaltung und Gesundheit. Und Moose sind kleine Schwämme und können unglaublich viel Wasser halten. Super für Regenwassermanagement und die Befeuchtung und Kühlung der Luft. Mit dem Zusammenspiel von Sensoren, intelligenter Ventilation, Bewässerung und Software können wir diese natürlichen Fähigkeiten steigern sowie nutz- und messbar machen.

Green City Solutions
kurz gefasst!

Bilder: Green City Solutions

All unsere Produkte basieren auf der Idee, warme und verdreckte Stadtluft aktiv anzusaugen, durch reinigende Moosmatten zu leiten und so zu kühlen und zu reinigen.

CityTree

Unser CityTree ist eine Kombination aus Stadtmöbel und Biofilter – unten Sitzbank, oben eine moosbewachsene Fläche und im Inneren komplexe Technologie mit IoT-Schnittstelle. Er lässt sich auf belebten Plätzen, an vielbefahrenen Straßen oder auch in Eingangs- und sogar Industriehallen einsetzen und schafft dort eine Entspannungszone in frischer und sauberer Luft.

CityBreeze

Der CityBreeze kombiniert aktive Luftfilterung durch Moose mit digitaler Präsentationstechnologie. Auf der einen Seite befindet sich eine Mooswand mit aktiver Filtertechnologie und auf der anderen ein 75“ LCD Screen. Diese Kombination ergibt Sinn: Sowohl Information und Werbung als auch die Moosfilterung wird dort platziert, wo möglichst viele Menschen reagieren und profitieren – zum Beispiel in Fußgängerzonen an Bushaltestellen oder sogar in Einkaufszentren. 

WallBreeze

Im WallBreeze finden die gleichen, aktiven Moosmodule wie im CityBreeze und CityTree Verwendung, nur lassen sie sich zu beliebig großen Flächen an Fassaden von Gebäuden zusammenschalten. Mit einer Steuerungseinheit können bis zu 25 WallBreeze bedient werden – so kann eine ungenutzte Wand schnell und ohne Nachrüstungsarbeiten zu einem großflächigen, grünen Frischluftspender werden.

Gibt es ein Umsetzungsprojekt, auf das ihr besonders stolz seid?

Peter Sänger: Auf dem Schulhof der Hampstead Hill Vor- und Grundschule in London stehen zwei unserer CityTrees, die die Schule dort aufgrund der angrenzenden Straße und ungünstiger Luftzirkulation auf dem Schulhof installiert hat. Sie sorgen an dieser Stelle nicht nur für frischere, gesündere Luft für Kinder, die von schlechter Luftqualität in ihrer Gesundheit ganz besonders betroffen werden. Die CityTrees dienen auch als Lernort, der Anlass für Lehrende und Schüler:innen bietet sich über Themen wie Biologie, Luftverschmutzung, Umwelt- und Klimaschutz auszutauschen. Gemeinsam mit der Schule haben wir bereits einen Malwettbewerb und eine virtuelle Führung durch die Moosfarm realisiert und beides hat gezeigt: Die Kinder lieben ihre CityTrees und den “Superhelden” Moos!

Euer Firmensitz ist in Bestensee, Brandenburg. Wie seid ihr auf diesen Standort gekommen und welche Vorteile hat eine Gründung in dieser Region?

Peter Sänger: Gegründet wurde Green City Solutions 2014 in Dresden, 2016 erfolgte dann der Umzug nach Berlin. Als wir 2019 einen geeigneten Standtort suchten, an dem wir eine eigene Moosfarm und Produktion integrieren können, war recht bald klar, wir brauchen Platz. Platz, den Bestensee in Brandenburg bietet. Über eine Shuttle-Lösung ist auch der Teile des Teams, der in Berlin lebt, schnell in Bestensee. Und alle genießen den Fokus, die Ruhe, die Natur und im Sommer vor allem den großen See, der nur zwei Minuten zu Fuß entfernt ist. Wir haben es ganz gut getroffen, würde ich sagen.

»... Wo Menschen mit vielfältigen Hintergründen zusammenkommen, entsteht viel eher Innovation.«

Peter Sänger

Was war bisher eure größte Herausforderung?

Peter Sänger:Die Neuheit der Technologie, die Komplexität der Verknüpfung von Hard- und Software und auch die Ansprüche des Lebewesens Moos brachte in den ersten Jahren, wie erwartet, zahlreiche Herausforderungen mit sich. Technische Probleme, besondere Standortanforderungen, Komplikationen mit dem Wartungsdienst, wechselnde Wasserqualitäten, um nur einige Faktoren zu nennen, setzten den Organismen zu.

Ende 2018 entschieden wir darauf hin, eine völlig neue Produktgeneration zu entwickeln, die alle Erkenntnisse der Vergangenheit berücksichtigen sollte. Das alles war eine riesige Herausforderung, aber die Arbeit hat sich gelohnt: Die aktuelle Lösung konzentriert sich auf die Gesunderhaltung der Moose und ist ein wartungsfreundliches, langlebiges System, dass sich in puncto Leistungsfähigkeit mit herkömmlichen, technischen Filtern messen kann – nur ohne Filtermüll und mit sehr geringem Energiebedarf.

Gibt es etwas, das Ihr anderen Gründer*innen auf den Weg geben möchtet?
Peter Sänger: Unterschiedliche Expertisen machen ganz neue Produkte möglich. Unser Gründungsteam war sehr vielfältig besetzt, alle hatten ganz unterschiedliche Expertisen. Nur so konnte unsere Produktidee, die Elemente aus Biologie, Technologie, Architektur und Data Science verbindet, überhaupt entstehen. Wo Menschen mit vielfältigen Hintergründen zusammenkommen, entsteht viel eher Innovation.

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Wo steht Green City Solutions in fünf Jahren?

Peter Sänger: Die Vision von Green City Solutions ist es, frische und saubere Luft zu allen Menschen zu bringen. Aktuell geht es uns darum, die serienreifen Produkte CityTree und CityBreeze in vielen europäischen Städten auszurollen und mit WallBreeze eine großflächige Option für begrünte Fassaden an den Markt zu bringen. In 5 Jahren wollen wir verschiedene Finanzierungsoptionen für unsere Produkte etabliert haben, damit es für Städte und Unternehmen möglich ist unsere Moosfilter letztlich ohne Investitionskosten aufzustellen. Außerdem wollen wir bis dahin Anwendungen für den Innenraum und Endverbraucher entwickeln und autarke Lösungen bereitstelle, deren Versorgung allein über Photovoltaik und Regenwasser funktioniert. Ich bin sicher, uns wird auch in Zukunft nicht langweilig.

Interview geführt im Juli 2022 mit Marko Berndt

Bild- und Videomaterial: Green City Solutions, Hampstead Hill School London

Interview mit me energy

me energy produziert Ladestationen, die in der Lage sind 200 km Reichweite in nur 15 Minuten aufzuladen. Die Stationen benötigen keinen Anschluss an das Stromnetz, sondern produzieren ihren eigenen Strom.

Interview mit Green City Solutions

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Interview mit ROS-E

ROS-E, die Roboter-Dame soll Personen im Alltag unterstützen, wenn keine Pflegekraft in der Nähe ist. Sie soll einfache Fragen beantworten, an die Zunahme von Flüssigkeit erinnern sowie Notfälle melden.