Interview mit Enrico Kramer

Enrico Kramer studierte Soziale Arbeit an der BTU Cottbus-Senftenberg und gründete seither die Bildungs- und Beratungsagentur ENTWICKLUNGSAGENTEN.

Hallo Enrico, wie bist Du zum Studium der Sozialen Arbeit gekommen?

Das war ein längerer Weg. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zum Maler und Lackierer und arbeitete danach in einem der ältesten Cottbuser Malerbetriebe. Irgendwann fragte ich mich, ob ich das im Alter noch schaffe und studierte berufsbegleitend Sportfachwirt (IHK). Ich war damals schon sehr aktiv im Taekwondo und bin heute als Großmeister, mit dem 6. DAN, immer noch dem Sport verbunden. Das Fernstudium fand mein damaliger Arbeitgeber jedoch nicht so gut und ich musste eine Entscheidung treffen: Fernstudium oder Bau – ich traf die Entscheidung zu Gunsten meiner Zukunft und die Firma trennte sich von mir. Parallel hatten wir im Sportverein einen Suizid-Notfall und retteten einer Borderline-Betroffenen das Leben. Das war der Punkt, wo ich wusste, dass ich Menschen professionell helfen möchte. Mit einem Freund, der sich auch umorientierte, bewarben wir uns für ein Studium der Sozialen Arbeit. Vorher mussten wir noch Praktika absolvieren. Ich machte etwas Sportpädagogisches in einer Jugendeinrichtung und entwickelte die Abteilung entsprechend pädagogisch weiter. Das lief richtig gut. Wir bestanden dann beide die Aufnahmeprüfung und vier tolle Studienjahre gingen los.

Wie ist es dann zu deiner beruflichen Selbstständigkeit gekommen?

Ein Kommilitone vermittelte mir während der Studienzeit einen Nebenjob in einer Jugendeinrichtung, wo ich nach dem Diplomabschluss vollstationär arbeitete und später auch zum Projektleiter ernannt wurde. Ziel war es unter anderem die Jugendlichen zu verselbstständigen und vollwertige Schulabschlüsse abzulegen. Die Jugendlichen brauchten allerdings Nachhilfe und so zeigte ich ihnen ein paar Lernmethoden. Der Erfolg motivierte mich, eine Ausbildung zum Lerncoach in Köln zu machen, um Eltern und Kindern Lernmethoden vermitteln zu können. Daraus entwickelte sich die Elternschule & Lernspaßtage-Tour, mit der ich mich 2009 erstmals selbstständig machte. Aber davon zu leben war schwierig. Zeitgleich habe ich über einen Mentor aus dem Sport den Kontakt zu einer saarländischen Bildungseinrichtung gefunden, woraufhin ich eine Zweigstelle in Cottbus errichtete und einen Bildungsträger aufbaute. 2012 war ich an der Gründung der European Sports and Business Academy (ESBA) im Saarland beteiligt, die bis heute noch Leistungs- und Profisportler betreut. Über diesen Weg wurde ich als Coach an das Structogram ® Team Deutschland empfohlen und absolvierte 2015 erfolgreich meine zweite Coachingausbildung, dieses Mal aber unternehmensorientiert. Structogram® ist ein wissenschaftlich begleitetes Tool, das im Führungskräftetraining eingesetzt wird und Teilnehmer*innen in die Lage versetzt, Ihren Führungsstil an die Situation anzupassen. Structogram® ist allerdings so flexibel und praktisch anwendbar, dass ich dieses Tool für sehr vielfältige Zielgruppen nutzen kann – von Führungskräften bis hin zu Gründer*innen. Im Jahr 2016 kam die Anfrage ob ich auch berufsorientiertes Einzelcoaching für Arbeitslose anbieten könnte, da unsere Weiterbildungen ja auch erfolgreich liefen. Da Coaching im Bereich der Arbeitsförderung rechtlich eine andere Schiene ist und spezielle Zertifizierungen Voraussetzung sind, habe ich die ENTWICKLUNGSAGENTEN gegründet, eine komplett neue und meine erste eigene Bildungsagentur die ich heute erfolgreich betreibe.

Was macht deine Agentur?
Wir richten den Blick auf die wirksamen Dinge in der Organisationsentwicklung und konzentrieren uns auf den Schlüsselfaktor Mensch! Als hybride Bildungs- und Beratungsagentur geht das natürlich nicht alleine und so arbeite ich mit Freiberuflern, Dozenten und externen Fachkräften zusammen. Es geht uns immer darum, unsere unterschiedlichen Kunden persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Wir Agenten schauen wir uns die entsprechenden Details und Szenarien an, analysieren das Ganze und unterstützen mit passenden Methoden und Wirkfaktoren. Die Agentur läuft sehr gut und wir bieten neben speziellen Weiterbildungen auch Einzelcoaching für arbeitssuchende Akademiker*innen an. Wir coachen hier vom frisch Graduierten bis zu Leuten, die sich umorientieren wollen. Unsere Erfolgsquoten sind enorm hoch, worüber wir sehr froh sind.

Wo bist Du überall unterwegs?
Für 2020 habe ich von langjährigen Partnern schon zwei spannende große Aufträge aus Düsseldorf und München erhalten und da freue ich mich auch schon drauf. Ich bin aber ein Familienmensch, daher versuche ich möglichst regional zu agieren, um weniger Reisen zu müssen und mehr Zeit für meine Familie zu haben. Meine Familie bietet mir sehr viel Sicherheit und Stabilität. Das ist mein Anker im Leben. Ich bleibe daher bewusst überwiegend in Cottbus und der Region Lausitz. Einerseits ist es zwar eine strukturschwache Region, andererseits sehe ich dadurch viele Entwicklungspotentiale und tolle Chancen. Das ist immer eine Frage der eigenen Sichtweise. Man muss hier einfach mutig und stets offen bleiben.

Was ist entscheidend für deinen Erfolg?
Beruflich ist es für mich wie im Sport und Kurt Lewin, ein bedeutender Psychologe des 20. Jahrhundert, hat es treffend ausgedrückt: „Wirklich ist, was wirkt!“ Es gibt gewisse Faktoren, die eine Hebelwirkung haben und entscheidend zum Erfolg beitragen. Zentrales Merkmal ist dabei meine Ausrichtung auf Ressourcen, Lösungen und Kompetenzen. Aber auch meine Fähigkeit der hohen Vernetzung und meine sozialen Kompetenzen tragen sicherlich dazu bei, dass die ENTWICKLUNGSAGENTEN immer bekannter werden. Durch meine Zeit im Baubetrieb bin ich es gewohnt, mit sehr unterschiedlichen Menschen klar zu kommen. Ich kenne inzwischen sehr viele unterschiedliche Leute und bin sehr gut vernetzt. Mein Netzwerk und meine Angebote baue ich kontinuierlich weiter aus. Man muss Gelegenheiten erkennen und nutzen können. Das ist enorm wichtig.

 

Dieses Interview wurde ursprünglich auf der Alumni-Seite der BTU Cottbus-Senftenberg veröffentlich.

Bildmaterial: Enrico Kramer

Interview mit me energy

me energy produziert Ladestationen, die in der Lage sind 200 km Reichweite in nur 15 Minuten aufzuladen. Die Stationen benötigen keinen Anschluss an das Stromnetz, sondern produzieren ihren eigenen Strom.