Interview mit me energy

me energy produziert Ladestationen, die in der Lage sind 200 km Reichweite in nur 15 Minuten aufzuladen. Die Stationen benötigen keinen Anschluss an das Stromnetz, sondern produzieren ihren eigenen Strom aus Bioethanol. So existieren keinerlei Anforderungen an den Standort und die Station kann schnell und einfach Elektrofahrzeuge laden – überall.

Hallo Inès und hallo Alex. Für alle Leser*innen, die hier zum ersten Mal etwas über me energy lesen würde ich euch darum bitten, euch und euer Produkt kurz vorzustellen.

Alexander Sohl: Dafür müssen wir zurück ins Jahr 2016. Ich war damals Entwicklungsingenieur bei Bosch und habe eine Testfahrt mit einem BMW i3 gemacht. Nach etwa 200 km steuerte ich die nächste Ladestation an – und die war natürlich aktuell außer Betrieb. Vor etwa 6 Jahren gab es nur wenige Ladepunkte und der nächste war natürlich auch nicht mehr in Reichweite. Zum Glück half mir eine schwäbische Familie mit einer Steckdose aus. Doch die 7h Ladezeit waren genug, um über das zu Grunde liegende Problem des Ladens nachzudenken: das Stromnetz. Unser teilweise 100 Jahre altes Stromnetz ist einfach nicht für das Laden von Autos ausgelegt, die teilweise so viel Strom brauchen wie 100 Haushalte gleichzeitig.
Inès Adler:
Und wenn der Strom nicht aus dem Stromnetz kommen kann, dann muss er eben anders erzeugt werden. Es kann natürlich nur Grünstrom sein und da Wind und Solar zu wenig, bzw. zu unzuverlässig Leistung liefern, liegt der Einsatz von nachhaltigen Flüssigkeiten nahe. So sind wir zur Stromerzeugung aus Ethanol gekommen. Mit Ethanol oder Methanol sind wir weder in Leistung, noch in der Speichermenge limitiert und erzeugen immer nachhaltigen Strom.

 

Ihr beide kommt aus großen Unternehmen (Bosch und Daimler) und hattet (vermutlich) auch sichere und gute Arbeitsplätze. Wieso habt ihr euch dafür entschieden diese aufzugeben und das Abenteuer “Gründung” anzugehen?

Inès Adler: Für mich ging es immer viel um Freiheit. Genau das zu tun, was ich tun möchte und mir Spaß macht. Als sich damals bei Daimler die Möglichkeit bot, habe ich Voxativ gegründet. Mit der Erfahrung der ersten Gründung fällt es auch nicht mehr so schwer sich auf ein weiteres Abenteuer einzulassen, besonders wenn ein guter Freund Unterstützung sucht. Wichtig war für mich aber auch das Thema: nachhaltige Stromerzeugung, um fossile Energieträger zu ersetzten – dafür stehe ich gerne jeden morgen auf.
Alexander Sohl: Für mich ist das ähnlich. Ich habe zunächst Beratung und Großkonzern ausprobiert – das was einfach alle nach der Uni so machen. Ich war dort aber oft von der Arbeitskultur und den Bedingungen frustriert. Was mich besonders beschäftigte? Wenn die offensichtlich besten Lösungen nicht umgesetzt wurden. Manchmal lag das an der Trägheit, mal an der Hierarchie, aber besonders befremdlich war für mich, wenn politische Gründe die Lösung verhinderten. Da ich neben meinem Studium schon immer selbstständig Geld verdient habe, war auch für mich dann der Entschluss zu gründen auch recht naheliegend. Und was mich auch prägt ist: Sofern man sich über Dinge beschwert, dann muss man zumindest versuchen es besser zu machen. Und daran arbeiten wir ja gerade. Zum Glück habe ich dann mit Inès noch eine tolle Mitgründerin gefunden, denn vom alleine gründen kann ich nur abraten.

me energy
kurz gefasst!

Bilder: me energy

»Die beste Frage, die einem gestellt werden kann ist: Wenn das so einfach ist, wieso hat das bisher keiner gemacht?!«

Alexander Sohl

»Einfach mal trauen größer zu denken!«

Inès Adler

Beim “Next Round: Brandenburg” habt Ihr mit eurem Pitch den ersten Platz belegt und auch beim Gründer-Award der KfW-Förderbank gewonnen. Welche Tipps würdet Ihr angehenden Gründer*innen geben, um ebenfalls erfolgreich an solchen Wettbewerben teilzunehmen?

Alexander Sohl: Im Nachhinein sagt sich das immer so leicht, aber ich denke man sollte nicht das Produkt selbst, sondern den eigentlichen Impact in den Mittelpunkt stellen. Produkte sind schlussendlich immer Mittel zum Zweck und den gilt es herauszuarbeiten.

 Idealerweise zielt der Zweck natürlich auf die großen Themen unserer Zeit wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Ernährung, etc ab. Und was natürlich auch immer hilft ist die Dinge auf dem Punkt zu bringen. (*lacht)

Wie hat es sich angefühlt, als ihr den ersten funktionalen Prototypen vorgestellt habt?

Inès Adler: Das ist natürlich Stolz pur. Wenn das Konzept, das es nur auf dem Papier gab, dann real vor einem steht und funktioniert.

 

Eure Nähe zur TH Wildau ist nicht nur von der Örtlichkeit her vorhanden – es wurden auch Kooperationen vereinbart. Wieso habt ihr euch für Wildau als Standort für euer Unternehmen entschieden und inwiefern profitiert Ihr von der Zusammenarbeit mit der TH Wildau?

Alexander Sohl: Für uns bietet Wildau ideale Voraussetzungen. Die gute Infrastruktur – angefangen bei den Räumlichkeiten, über die lokalen Zulieferer, bis hin zur guten Anbindung mit Autobahn und S-Bahn – war natürlich ein riesen Pluspunkt. Mit dem RKI, Fraunhofer und der TH stehen zudem auch immer direkt Partner für Forschung- und Entwicklungskooperationen bereit. Darüber hinaus ist die Hochschule auch eine ideale Quelle für motivierte Student*innen, die bei uns ein Praktikum absolvieren möchten, Werkstudent:in werden oder gleich als neue Mitarbeiter*innen einsteigen wollen. Wirkliche Kooperationen gibt es aktuell jedoch noch nicht.

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Gebt uns bitte einen kleinen Ausblick, wo Ihr euch und euer Unternehmen in fünf Jahren seht und auf welche Herausforderungen ihr euch bis dahin am meisten freut.

Alexander Sohl: In 5 Jahren wollen wir nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa Elektromobilität ermöglichen und dabei auch bei unseren Geschäftsmodellen ganz neue Wege gehen. Das wird auch die spannendste Herausforderung: Innovative Geschäftsmodelle für die Elektromobilität finden, dass sich auch Ladeinfrastruktur saisonal zu Spitzenzeiten und in ländlichen Regionen lohnt. Aber wir haben hier schon eine Idee, dabei hilft auch immer wenn man nicht ans Stromnetz gebunden ist.

 

Und als kleine Bonusfrage: Was sind eure Traumautos?

Inès Adler: Elektrisch würde ich gerade ein Tesla Model X Plaid wählen.
Alexander Sohl: Ich träume davon gar kein Auto mehr selbst zu brauchen. Müsste ich aber gerade eines wählen, wäre das wohl der Lucid Air.

 

Interview geführt im August 2022 mit Oliver Weber

Bild- und Videomaterial: me energy

Interview mit me energy

me energy produziert Ladestationen, die in der Lage sind 200 km Reichweite in nur 15 Minuten aufzuladen. Die Stationen benötigen keinen Anschluss an das Stromnetz, sondern produzieren ihren eigenen Strom.